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MIXED UP Preis

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Die MIXED UP Preisträger 2014

Ob Tod, Flucht, Meinungsfreiheit oder der Sinn des Lebens – künstlerische Herangehensweisen ermöglichen Kindern und Jugendlichen intensivere Auseinandersetzungen mit ernsten und gesellschaftspolitisch relevanten Themen, als es in klassischen Unterrichtsformaten möglich ist. Das zeigen die Gewinner der zehnten MIXED UP Wettbewerbsrunde.

Die diesjährige MIXED UP Preisverleihung hat im Beisein der Bundesjugendministerin Manuela Schwesig am 5. September im Berliner Podewil stattgefunden.

Durch Zusammenarbeit gewinnen! Unter diesem Motto prämiert der Wettbewerb MIXED UP seit dem Jahr 2005 gelungene Modelle der Zusammenarbeit zwischen Trägern der Kulturellen Bildung und Schulen im gesamten Bundesgebiet. Der Wettbewerb wird ausgelobt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ).

In diesem Rahmen honorieren das BMFSFJ und die BKJ die Zusammenarbeit von Kultur und Schule mit Preisgeldern im Gesamtwert von 15.000 Euro. 2.500 Euro zusätzlich werden in diesem Jahr vom Land Berlin zur Verfügung gestellt.

Das Plus für alle: Sämtliche Wettbewerbsbeiträge werden in der Datenbank für Kooperationen erfasst. Die Datenbank macht die Arbeit der bundesweiten Akteure sichtbar und fördert Dialog und Vernetzung.

MIXED UP will:

– Die Zusammenarbeit zwischen Jugendarbeit, Kultur und Schule fördern.

– Die Voraussetzungen für ganzheitliche Bildung und Kompetenzerwerb mit    Kunst und Kultur verbessern.

– Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützen.

– Kulturelle Teilhabemöglichkeiten an Musik, Spiel, Theater, Tanz, Rhythmik, bildnerischem Gestalten, Literatur, Medien und Zirkus verbessern.

Kofferpacken – Tschamedan

MIXED UP Preis : Reisezeit, Urlaub, Strand – das mögen die ersten Assoziationen mit „Kofferpacken“ sein. Das interkulturelle Film-, Theater- und Kunstprojekt der Holstenschule Neumünster beleuchtet den häufig mit Vorfreude in Verbindung gebrachten Begriff neu. Was würdest du einpacken, wenn du deine Heimat verlassen müsstest? Was nehme ich mit auf die Flucht, wenn in der Heimat tödliche Gefahren drohen? Das sind Fragen, die sich 28 Schüler/innen der 11d der Holstenschule und 18 junge Flüchtlinge ohne gesicherten Aufenthaltsstatus gestellt haben.

Es begann mit einem Besuch der Schüler/innen in einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge – einem Ort in unmittelbarer Nähe der Schule, den sie – hinter Zäunen und Stacheldraht verborgen – wohl sonst niemals betreten hätten. Die Jugendlichen aus Afghanistan, Irak, Iran und Tschetschenien berichteten von ihren Erlebnissen, von ihrer Flucht und ihren Gefühlen und Hoffnungen in einem noch fremden, neuen Zuhause. Das Kennenlernen der Lebensumstände in der Flüchtlingsunterkunft, die Gespräche und vor allem die gemeinsame künstlerische Arbeit haben die Schüler/innen und die jungen Asylsuchenden einander näher gebracht. Beiderseitige Vorurteile verflüchtigten sich.

In drei unterschiedlichen Arbeitsgruppen wurde das Erfahrene bearbeitet. So entstanden ein Theaterstück, ein Film und eine Ausstellung. Über 30 zusammengetragene alte Koffer waren für alle Gruppen wichtige Requisiten, mit denen die interkulturelle künstlerische Reise gestartet und gestaltet wurde.

Mit der Unterstützung des Künstlers Uwe Hennig beschäftigten sich die Jugendlichen mit dem Thema Heimat, Heimatlosigkeit, Flucht und Vertreibung. Sie erstellten lebensgroße Portraits und Selbstportraits, entwickelten und zeichneten gemeinsam Comicgeschichten. Jede/r von ihnen gestalteten einen eigenen Koffer.

Die Theatergruppe unter der Leitung der Theaterpädagoginnen Idun Hübner und Ulrike Krogmann entwickelte sie ein gemeinsames Theaterstück, das die Ungleichheit der Chancenverteilung von Schülern und Flüchtlingen thematisiert. Bei der Aufführung wuchsen Schülerinnen und Flüchtlinge über sich hinaus und bewegten die Zuschauer zutiefst.

Die Schüler/innen und die Flüchtlinge der Filmgruppe filmten in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Neumünster sowie in Flüchtlingsunterkünften auf dem Land. Sie fragten die Flüchtlinge nach ihren Lebensverhältnissen und nach ihren Wünschen und Träumen. Aus kleinen Spielszenen, dokumentarischen Erzählungen und beobachtenden Ausschnitten der Arbeit der anderen Projektgruppen ist ein berührendes Dokument der Begegnung entstanden: ein 30-minütiger Film, der mit Unterstützung von Filmemacher Fredo Wulf und Lehrerin und Dokumentarfilmemacherin Quinka Stoehr nach dem eigenständigen Drehen auch selbst geschnitten wurde.

Das Projekt „Kofferpacken – Tschamedan“ ist für die Jury beispielhaft und dient als Vorbild für eine künstlerische Auseinandersetzung, die sich auf vielfältige Weise eines gesellschaftspolitisch relevanten Themas annimmt und nachhaltig wirkt. Nachfolgeprojekte sind in Vorbereitung, die Projektidee kann anderenorts sehr gut adaptiert werden.

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