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Buchbesprechung: Spuren des Jahrhunderts

Seit 1997 sammelt der Zeitgut Verlag Zeitzeugen-Erinnerungen aus ganz Deutschland. Im Zentrum des Verlagsprogramms steht die Reihe Zeitgut, ein editorisches Projekt, das die Absicht verfolgt, das gesamte 20. Jahrhundert mit Alltagserinnerungen nachzuzeichnen. Hier erzählen Zeitzeugen, was sie damals gefühlt, gedacht, gehofft und erlebt haben. Persönliche Fotos und Dokumente ergänzen die Texte und machen das Erlebte anschaulich und authentisch. Mittlerweile sind in der Reihe Zeitgut 26 Bände mit mehr als 1000 Erinnerungen erschienen. Aus diesen Texten wurde nun der Auswahlband Spuren des Jahrhunderts zusammengestellt. Die 31 fesselnden Geschichten lassen auf einem Streifzug durch das 20. Jahrhundert die Vergangenheit lebendig werden. Anneliese Albrecht berichtet von dem Tag, als sich die Familie 1931 in Herzogenrath bei Aachen ihr erstes Radio zulegte. In dem feierlichen Moment tapst die kleine Schwester Inge verwundert hinter das Gerät, um nach dem Mann zu suchen, der offenbar in dem Kasten spricht. Auch Helga Holler erzählt von technischen Neuerungen in ihren Kindertagen. Die Familie aus Bad Muskau in der Oberlausitz wird stolzer Besitzer eines „Dixi“ Autos. Die kleine Helga fühlt sich bei den Ausfahrten wie eine feine Dame. Die Unbeschwertheit endet, als der Vater 1939 in den Krieg eingezogen wird – als Fahrdienstleiter im Generalkommando muss er an die Front. Neben alltäglichen und heiteren finden sich aber auch sehr dramatische Erinnerungen. 1944 muss Renate Strebel in Sachsen erleben, wie ihre Mutter von Nazischergen ohne ein Wort der Erklärung zum mehrtägigen Verhör abgeführt wird. Die Siebenjährige muss bei Bekannten unterkommen, denn auch der Vater ist seit diesem Tag verschwunden. Er wurde denunziert und in ein Konzentrationslager verschleppt. Später gelingt ihm die Flucht, zum Schutz der Familie muss er untertauchen. Der Marinesoldat Ernst Haß verliert 1944 bei einem Bombenangriff in Hamburg seinen rechten Arm, die Mutter wird schwer verletzt und seine schwangere Ehefrau stirbt an den Folgen des Angriffs. Doch Haß erzählt auch, wie er langsam neuen Lebensmut fand und ihm sogar eine neue Liebe begegnete. In vielen Erinnerungen vermischt sich Politisches mit Privatem. Manchmal kam es einfach darauf an, die Dinge trotz allen Ernstes mit Humor zu betrachten. Hans Peter Kutscha erzählt launig von den skurrilen Situationen, die er in den 60er bis 80er Jahren bei Kontrollen an der innerdeutschen Grenze erlebte. Mit viel Augenzwinkern schildert er die Eigenarten von Volkspolizisten, mit denen er es zu tun hatte. Der kleine Band Spuren des Jahrhunderts lädt dazu ein, bei einer Reise durch die Vergangenheit die Reihe Zeitgut kennen zu lernen. Die Leser entdecken das Alltagsleben Ihrer Eltern und Großeltern ganz neu und erleben zugleich ein Stück ihrer eigenen Geschichte.

Spuren des Jahrhunderts, 31 Erinnerungen 1914 bis 1989. Zeitgut-Auswahl zum Kennenlernen. 192 Seiten mit vielen Abbildungen,Ortsregister. Zeitgut Verlag, Berlin. Taschenbuch-Ausgabe ISBN 978-3-86614-217-6, Euro 6,90.

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